Bürokratische Hürden
Nun, die Zusammenfassung meiner (T.) Erfahrungen ist ausgesprochen kurz und bündig: Ohne fødselsnummer (norwegische Sozialversicherungsnummer) bist du gar nichts; die fødselsnummer wird für alles benötigt. Du findest sie auf deiner norwegischen Kreditkarte, deiner Gehaltsabrechung und musst sie sogar angeben, wenn du im Internet nach einer Telefonnummer suchst. 1984 lässt grüßen!
Etwas unpraktisch: Ohne fødselsnummer kein Konto, ohne Konto kein Gehalt. Also erst einmal ab zu allen möglichen Behörden — und immer erst einen kølapp ziehen und in die Warteschlange einreihen. Aber im Großen und Ganzen ging's relativ flott, auch weil die wichtigsten Behörden örtlich nahe beieinander liegen. Die Behördenmitarbeiter waren extrem nett, flexibel und sprachgewandt. Alle konnten mindestens sehr gut Englisch, z.T. auch Deutsch. Da können sich deutsche Behörden so einige Scheiben abschneiden. Etwas irritierend war allerdings die Ausländerabteilung der Polizei (dort musste ich die Aufenthaltsgenehmigung beantragen, die ich übrigens inzwischen bis 2007 habe): Sie nennt sich „Aliens Section”. Also, es ist ja schon ein ungewöhnliches Gefühl, nun zur vielfach verunglimpften Gruppe der Ausländer zu gehören, aber als Alien fühle ich mich nun wirklich nicht.
Egal, ich mach's echt nur ganz kurz: Zwischendurch dachte ich ernsthaft, dass Norwegen die Krone der bürokratischen Schöpfung sei, aber inzwischen hat sich alles relativiert. Die Behördengänge waren nervig und zeitaufwändig, aber Dank meiner deutschen Staatsbürgerschaft und meiner Anstellung an der Uni war alles sehr vereinfacht. Bürokratischer als die Behörden war eher meine Bank (Nordea), aber auch dort habe ich inzwischen alles auf die Reihe gekriegt (inklusive Sparbuch, Kreditkarte — die dient in Norwegen auch als Ausweis — und Online-Banking).