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Geschichte Norwegens: Nach der Eiszeit — die pränorwegische Geschichte

Eisige Zeiten

Manche glauben ja, in Norwegen herrsche immer noch die Eiszeit, aber die hätten mal vor 12.000-14.000 Jahren hier sein sollen! Zu der Zeit war Skandinavien tatsächlich bedeckt von einem bis zu 3.000 m mächtigen Eispanzer, der die Erdkruste ca. 200 m tief in den Erdmantel eindrückte. Mit anderen Worten: Die Küstenlinie von Oslo (das es damals natürlich noch nicht gab) verlief beispielsweise in der Nähe des heutigen Sognsvann, oberhalb des Studentenwohnheimes Kringsjå, wo Tanias erste Bleibe war (genau genommen gab es hier während der Eiszeit gar keine Küste, denn das Eis reichte ja bis Norddeutschland).

Mit dem Abschmelzen des Eises begann sich das Land langsam zu heben — ein Prozess, der auch heute noch nicht abgeschlossen ist. So beträgt die jährliche Hebungsrate in Mittelschweden ca. 7 mm, in der Gegend Oslos immer noch ca. 3 mm.

Man kann sich vorstellen, dass Skandinavien damals noch ein ziemlich unwirtlicher Aufenthaltsort war. Auch wenn die Eiszeit „vorüber” war — bis eine derartig gewaltige Menge Eis halbwegs weggeschmolzen ist, das dauert! Schließlich liegen hier immer noch ein paar Reste herum — die Gletscher nämlich. Es war mit Sicherheit immer noch verdammt kalt, nass und windig in Skandinavien. Wo kein Eis mehr war, war Wasser — Schmelzwasser, um genau zu sein. Und vom Eis her wehte ein steter, kräftiger, kalter Wind.

Erste Menschen

So dauerte es also einige Jahrtausende, bis die ersten Menschen sich in Südnorwegen, unweit der heutigen Grenze zu Schweden, ansiedelten. Die ältesten Funde menschlicher Aktivitäten sind ca. 10.000 Jahre alt und stammen von einem Hügel in Østfold (das ist die südöstliche Provinz Norwegens). Dieser Hügel war seinerzeit vermutlich eine Insel. Da die vorgefundenen Siedlungsspuren denen ähneln, die man in Schweden und Dänemark fand, nimmt man an, dass die ersten Urnorweger über Østfold das Land besiedelten. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass erste Menschen über das Gebiet der heutigen Nordsee nach Südwestnorwegen gelangten.

Die ersten Norweger haben wohl die meiste Zeit gejagt und gesammelt, und das haben damals in Europa ja fast alle so gemacht, schließlich war Steinzeit. Entsprechend findet man heute ein paar Werkzeuge aus Feuerstein, außerdem Tonscherben und Felszeichnungen, die sog. helleristninger, die es überall im Land gibt (in Alta, in Nordnorwegen, sind sie 1985 zum Weltkulturerbe geworden). Auf den helleristninger sind vor allem Tiere abgebildet, die den Urnorwegern als Nahrungsquelle dienten: Elch, Ren, Hirsch, Bär, Wal, Fisch usw. Daneben findet man aber auch Abbildungen von Menschen, Schiffen und Ritualen. Ein paar Beispiele kann man sich hier ansehen.

Alsbald war dann auch in Norwegen Schluss mit dem Jagen und Sammeln — vor ca. 6.000 Jahren fand der Übergang zur Agrarkultur statt. Der Urnorweger wurde also sesshaft und begann Landwirtschaft zu betreiben, und zwar erstmal entlang des Oslofjordes.

Bronze & Eisen

Und so zogen die Jahre ins Land. Ca. 1800 v. Chr. wurden die ersten Metalle in Norwegen verwendet: Das Bronzezeitalter war angebrochen. Man fand bisher rund 700 Gegenstände, die diesem Zeitalter zugerechnet werden, die meisten davon waren Grabbeigaben oder wurden bei religiösen Riten verwendet. Da Bronze eine Legierung aus Kupfer und Zinn ist und diese Metalle selten innerhalb einer Region gewonnen werden können, setzte die Bronzeherstellung Handel mit anderen Völkern voraus. Die Urnorweger waren zwar in erster Linie Bauern, sie handelten aber auch mit Fellen und Häuten und gelangten so vermutlich über den Tauschhandel an die Rohstoffe zur Bronzeherstellung und an Prestigegenstände aus Bronze.

Einige Jahrhunderte später (ca. 500 v. Chr.- 0) markieren Werkzeuge und Waffen aus Eisen den Beginn der Eisenzeit. Funde von Glas, Waffen und Münzen zeugen von Verbindungen zum übrigen Europa.

Geritzte Schrift

Ca. 200 n. Chr. gelangt die Kunst des Schreibens nach Norwegen: Das erste Runenalphabet („Furthark”) wird zum Einritzen von Inschriften in Stein, Holz und Knochen verwendet. Die Runen wurden natürlich nicht nur in Norwegen, sondern im gesamten germanischen Einflussgebiet verwendet — also dort, wo die Römer nicht waren. Interessant ist, dass die Runen auch im Mittelalter, also nach der Christianisierung, teilweise sogar bis ins 17. Jahrhundert für Inschriften genutzt wurden.